U Bahn am Morgen

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Dieser Moment, wenn die Lichter ausgehen weil es hell wird und alle Menschen grau sind.

Für einen kurzen Moment. Vor der Arbeit, der Schule, der Schlange in der Agentur für Arbeit. In Erwartung eines Tages, der wohl mehr oder weniger positiv oder negativ ausfallen kann, aber dabei höchstwahrscheinlich doch nur eine Aneinanderreihung zufällig generierter Alltäglichkeiten sein wird.

Ungespannte Erwartung. Gleichgültige Ungewissheit.

Es ist der Moment, in dem die Sorgen und Unwägbarkeiten eines Lebens, der Stress und die Angst abklingen und dem betäubend stumpfen, immergleichen Alltagstrott weichen. Bis auf Schüler und junge Studenten, deren Sorgen im Alltag begründet sind und nicht in jenen Augenblicken, die “Freizeit” zu nennen uns kaum über die Lippen will, verharren sie in pietätvoller Stille. Jeder Teil des stummen Geleitzuges der anderen, wie sie gemeinsam Lebenssinn und Würde dem System zum Opfer bringen. Ein Diorama des Scheiterns aller Dinge, die zu wollen unser Ziel sein sollte. Wer sich dem entziehen will, der fährt Auto. Fährt über Autobahnen und Bundesstraßen und um ihn sind viel mehr jener tristen Einheitsindividuen, als in jedem Zug. Doch er hat Blech und Glas und Stahl und explosive Dinge, die ihm Schub verleihen. So hat er auch das nötige Tempo um es als Barriere zu nutzen und mit diesem Panzer schützt er sich vor dem Elend aller anderen und verdrängt seine Welt zwischen Radio und Rush Hour und verweigert sich dabei vollkommen dem schweigenden Schulterschluss mit seinesgleichen.

Schmutz und Liebe,
euer Schmutzfink.

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